Honigbiene & Wildbiene: Konkurrenz oder Dream-Team?
Dieses Foto ist bei unserer Arbeit an den Völkern entstanden: Eine Hummel landete einfach mitten auf der Wabe und hat sich seelenruhig zu den Honigbienen gesellt. Für uns das perfekte Symbol für ein Thema, das uns als Imker-Team sehr am Herzen liegt.
In den Medien hört man oft von zwei Extremen: Die einen sehen in der Honigbiene die alleinige Retterin der Natur, die anderen betrachten sie als Bedrohung für wilde Solitärbienen und Hummeln. Es ist fast schon ein Krieg zwischen zwei Fronten ausgebrochen – Naturschützer versus Imker –, bei dem sich gegenseitig die Schuld zugeschoben wird.
Doch die Wahrheit liegt – wie so oft – genau dazwischen. Als Imker-Team ist es uns wichtig zu zeigen: Einander gegenseitig die Schuld zu geben, bringt keinem einzigen Insekt etwas. Wir müssen verstehen, dass die Honigbiene ein vom Mensch gezüchtet und betreutes Nutztier ist, während Wildbienen echte Wildtiere ohne Lobby sind. Wir lösen das Problem nur, wenn wir das große Ganze im Blick behalten.
Wo liegt überhaupt der Unterschied?
Um die Debatte zu verstehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die unterschiedlichen Lebensweisen. Denn Biene ist nicht gleich Biene:
Die Honigbiene (Die Teamplayerin): Sie ist ein Nutztier, das in riesigen Staaten von bis zu 50.000 Individuen lebt. Sie wird von uns Imkern gepflegt, gefüttert und geschützt. Als "Generalistin" liebt sie die Masse – sie fliegt auf fast alles, was reichlich blüht.
Die Wildbiene (Die Vielfältige): Sie ist ein echtes Wildtier und meist als Einzelgängerin unterwegs. Aber es gibt auch Staatenbildende Bienen wie zum Beispiel die Hummel. Im Gegensatz zur Honigbiene haben sie keinen Imker der sie versorgt. Viele der über hunderte Wildbienenarten sind extreme Spezialistinnen, die perfekt auf ganz bestimmte Wildpflanzen angepasst sind. Stirbt diese Pflanze, verschwindet auch die Biene.
Das Problem ist nicht die Biene, sondern der Tisch
Gibt es zu wenig Blüten, wird es natürlich eng und es entsteht Konkurrenz. Doch die Honigbiene ist nicht der Grund für den Mangel – das sind vielmehr zubetonierte Flächen, Schottergärten und Monokulturen in unserer Landschaft. Wenn wir den Tisch reichlich decken, ist in der Natur genug Platz für alle.
Das größte Problem für unsere Wildbienen ist und bleibt der fehlende, intakte Lebensraum. Wildbienen können sich nur dort erfolgreich vermehren, wo eine passende Nahrungsquelle und der richtige Nistplatz nah beieinanderliegen. Bestimmte Wildbienen-Gruppen haben es dabei bedeutend schwerer als andere:
Nahrungsspezialisten: Sie sind absolut abhängig vom Überleben "ihrer" spezifischen Pflanze.
Wohnungs-Spezialisten: Viele Arten haben extreme Ansprüche an ihren Nistplatz. Die einen brauchen offene, sandige oder lehmige Bodenstellen, andere sind auf Totholz angewiesen und wiederum andere nisten ausschliesslich in leeren Schneckenhäusern.
Kurzstrecken-Flieger: Einige Arten haben einen winzigen Aktionsradius von gerade einmal 100 bis 300 Metern. Finden sie in diesem kleinen Umkreis keine Nahrung, verhungern sie.
Zusätzlich machen Pestizide und Insektizide sowohl Honig- als auch Wildbienen das Leben schwer. Sie töten die Insekten entweder direkt oder stören ihren Orientierungssinn so massiv, dass der Heimweg unmöglich wird.
Die Schuld nun aber einfach pauschal auf die Landwirtschaft zu schieben, ist absolut keine Lösung. Am Ende sind es die Bauern, die uns tagtäglich versorgen und in einem harten Markt wirtschaftlich über die Runden kommen müssen. Zudem arbeiten Landwirte heute unter extrem strengen Auflagen und spritzen so kontrolliert wie nie zuvor. Das Problem ist nicht der einzelne Betrieb, sondern ein System, das Höchstleistungen fordert – ein Kreislauf, der nur schwer zu durchbrechen ist.
Wir hier im Misox sind zum Glück weniger von den Spritzmitteln betroffen, da intensive Feldwirdschaft hier fast kein Thema ist und man hier eher auf Wisenbewirtschaftung setzt. Allerdings gibt es auch hier zum Beispiel Reben. Unsere Bienen befliegen für unseren Honig hauptsächlich die mächtigen Linden- und Kastanienbäume an oder sammeln im Wald den wertvollen Honigtau.
Warum Honigbienen auch Wildbienen helfen
Es klingt im ersten Moment paradox, aber durch die enorme und flächendeckende Bestäubungsleistung der Honigbienen wird der Samenerfolg von Wildblumen und Sträuchern massiv gesteigert. Das bedeutet: Wo Honigbienen fleißig sind, wachsen im nächsten Jahr oft noch mehr und dichtere Blühflächen. Davon profitieren am Ende auch die Wildbienen!
Zudem lenkt die Faszination für die Honigbiene die Aufmerksamkeit überhaupt erst auf den Insektenschutz und öffnet bei vielen Menschen das Tor zu diesem Thema.
Echter Naturschutz funktioniert nicht durch gegenseitige Schuldzuweisungen. Er funktioniert nur, wenn wir gemeinsam Lebensräume schaffen.
Was du ganz konkret tun kannst:
Möchtest du den Wildbienen in deinem Garten oder auf deinem Balkon unter die Arme greifen?
Hier geht es zu unseren Anleitungen für ein
Und hier findest du unsere grosse
mit tollen Alternativen zu klassischen, aber für Bienen wertlosen Gartenpflanzen.


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